Yoursclothing - Body Positivity

„Body Positivity“ wurde in den letzten Jahren zum Social Media Phänomen

2018 wurden die Hashtags #selflove, #plussize und #bodypositivity auf Instagram und Twitter immer häufiger benutzt. Zu seinem Körper zu stehen und sich wohl zu fühlen, ist eine Botschaft, die vor allem über Instagram verbreitet wird und so viele junge Frauen erreicht.

Aus dem Themenkosmos „Body Positivity“ tauchen diese fünf Hashtags besonders oft auf Twitter und Instagram auf:

Social-Media-Analysen zeigen: Mehr als doppelt so viele Posts rund um das Thema Selbstakzeptanz und Vielfalt wurden in Deutschland gegen Ende des Jahres 2018 auf Twitter und Instagram verfasst, als noch am Anfang desselben Jahres.

Die Hashtags #curvy, #selflove und #bodypositivity wurden im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent häufiger genutzt.

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Quelle: Talkwalker, Instagram

„Social Media schafft neue Vorbilder für junge Frauen
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Quelle: Instagram (@kurvenrausch)

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Tanja Marfo Plus-Size-Bloggerin

„In den 90er Jahren gab es wenig Vorbilder für Plus‑Size-Frauen; das gängige Schönheitsideal war ‘die schlanke, perfekte Frau‘. Heute haben junge Menschen dank Social Media unterschiedliche Vorbilder. Es gibt nicht nur ‘perfekte‘ Frauen, sondern starke Frauen, die älter sind als 40 Jahre und die nicht dem Schönheitsideal von 90-60-90 entsprechen.“

Obwohl Männer und Frauen einige gemeinsame Themen beschäftigen, liegt speziell für Frauen der Schwerpunkt auf Selbstakzeptanz und der Befreiung von Schönheitsidealen und Erwartungshaltungen. In der Summe betrachtet werden Hashtags rund um Body Positivity zu 60 Prozent von Frauen genutzt. Der größte Unterschied zwischen den Geschlechtern liegt bei dem Hashtag #plussizefashion: Diesen nutzen zu 70 Prozent Frauen und zu 30 Prozent Männer.

„Die neue Generation ist mit ihrem
Körperbild zufriedener.
Elisabeth Januszek, Plus Size Blogger, Influencer

Quelle: Instagram (@elabonbonella)

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Elisabeth Januszek Plus-Size-Bloggerin

„Als ich 2012 anfing zu bloggen, gab es tatsächlich noch nicht so viele Plus-Size-Blogger, das hat sich erst in den letzten Jahren entwickelt. Es sind in Deutschland auf jeden Fall Bloggerinnen und Influencerinnen, die diese Themen vorantreiben.

Ich habe das Gefühl, dass bei jüngeren Frauen ein Umdenken zu erkennen ist. Sie zeigen sich, kleiden sich stilvoll – unabhängig von ihrem Figurtyp. Sie akzeptieren sich so, wie sie sind und finden es normal, nicht wie ein Model auszusehen. Social Media hat dazu sicherlich einen Beitrag geleistet.”

Wie berichten klassische Medien über Plus-Size-Themen?

Klassische Medien, wie Online‑Magazine, Tageszeitungen und Rundfunk, greifen das Thema Body Positivity vor allem seit Ende 2018 vermehrt auf – und berichten dabei auch konkret über die Thematisierung in sozialen Netzwerken. Das lässt sich daran erkennen, dass Hashtags (ein ausschließliches Social‑Media‑Phänomen) in der Berichterstattung vorkommen. Die Hashtags #selflove und #bodypositivity waren am stärksten in den Medien repräsentiert.

#weareallangels Plus-Size-Model fordert Boykott der “Victoria‘s Secret”-Show

Quelle: yahoo.com

Die mediale Berichterstattung steht häufig im engen Zusammenhang mit realen Events, die in sozialen Medien aufgegriffen und diskutiert werden. Ein Beispiel: Ende 2018 rief die Plus-Size-Szene über Social Media unter dem Hashtag #WeAreAllAngels zum Boykott des Unterwäscheherstellers Victoria Secret auf, da diese keine Plus-Size-Models in ihre Shows aufnehmen wollten. Über den Hashtag #WeAreAllAngels wurde heiß in den sozialen Medien diskutiert, was das Thema ins öffentliche Interesse rückte und in die klassischen Medien brachte. Effekte sind bereits erkennbar: Seit März 2019 läuft das Plus-Size-Model Barbara Palvin für Victoria Secret, wobei auch hier Kritik geübt wird, dass sie mit Größe 40 nicht als echtes „Plus-Size“-Model gewertet werden kann.

Quelle: yahoo.com

PLUS-SIZE-MODEL WIRBT FÜR RASIERER Anna sorgt für scharfe Kritik!

Quelle: Bild.de

Als das Plus-Size-Model Anna O’Brien Anfang April Werbung für Gillette machte, stieß dies auf gegenteilige Kritik in den sozialen Netzwerken. Diese reichte von Kommentaren wie „Was haben ˏdickeˊ Frauen mit Gillette zu tun?“ bis hin zu heftigen Diskussionen über Herzkrankheiten und der Forderung an das Unternehmen, den Werbe-Post zu löschen.

Quelle: Bild.de

Mehr Diversität abbilden in der
Plus-Size-Berichterstattung

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Elisabeth Januszek Plus-Size-Bloggerin

„Der Begriff ‘curvy‘ ist in letzter Zeit verstärkt in den Medien genannt worden. Was mich daran stört, ist, dass nicht automatisch jede Frau, die mehr Kilos hat, ‘curvy‘ – im Sinne einer Hour-Glass-Figur – ist. Daher fühlt sich auch nicht jede Plus‑Size‑Frau davon repräsentiert.“

„Nicht jede Plus‑Size‑Frau ist curvy!“

„Wenn eine deutsche Fernsehshow ein Plus‑Size‑Model mit Größe 42/44 zeigt, ist es meiner Meinung nach noch keine Vielfalt. Denn die deutsche Durchschnittsfrau trägt Größe 42/44. Plus Size geht noch viel weiter.

In Amerika gibt es viel mehr Influencerinnen mit verschiedenen Figurtypen und Hautfarben, dort ist die Medienrepräsentation diverser. Die jüngste Gillette-Werbung mit Plus-Size-Model Anna O’Brien und die Medienreaktionen in Deutschland zeigen, wieviel Aufklärungsarbeit noch nötig ist.“

Es sind vor allem Online-Medien und Tageszeitungen, die über Themen rund um Body Positivity schreiben. In Magazinen sowie TV und Radio wird dagegen vergleichsweise wenig über das Thema berichtet.

Modeverwandte Themen wie #plussize und #plussizefashion erscheinen vorrangig in Online-News, wohingegen Themen zu Selbstakzeptanz wie #bodypositive oder #selflove auch vermehrt in den Tageszeitungen erwähnt werden.

Wie kann in den Medien besser über „Plus Size“ berichtet werden und welche Auswirkungen hätte das für Frauen?

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Tanja Marfo Plus-Size-Bloggerin

„Große Unternehmen haben das Budget, auch einmal ein A/B‑Testing durchzuführen, anstatt sich im Marketing nur von Absatzzahlen leiten zu lassen: Wie kommen beispielsweise unterschiedliche Magazin-Covers an? Es würde unserer Gesellschaft guttun, wenn mehr Frauen (und auch Männer) sich mit der Modewelt identifizieren könnten. Diese Vielfalt, um die es mir geht, spiegelt sich nicht nur in der Konfektionsgröße wider, auch in der Körperhöhe, Hautfarbe und Herkunft. Wenn nicht immer nur die ‘perfekten‘ Fotos, sondern auch wenig oder gar nicht retuschierte Bilder gezeigt werden, das wäre ein erster Schritt.“

„Diversität ist die Triebfeder unserer Gesellschaft.“

„Wenn Vielfalt sichtbarer in den Medien abgebildet werden würde, würde sich auch in der Modewelt (offline) viel ändern. Diversität ist die Triebfeder unserer Gesellschaft. Es würde sich das Bewusstsein in den Köpfen ändern, dass auch Plus Size ein normaler Teil dieser Gesellschaft ist. Ich denke, dann würden wir auch mehr Veränderungen im stationären Handel sehen, und das Angebot für Frauen mit großen Größen würde wachsen. Denn die Kaufkraft ist da, nur das Angebot leider noch nicht.“

Body Positivity über die Medienwelt hinaus – Was muss sich noch verändern?

Die Bloggerinnen Elisabeth Januszek und Tanja Marfo teilen mit uns ihre Gedanken und Wünsche für die Zukunft, wie unsere Gesellschaft noch diverser werden kann.

Wie sieht die Event-Szene im Plus-Size-Bereich aus?

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Elisabeth Januszek Plus-Size-Bloggerin

„Insgesamt gibt es noch relativ wenig Plus-Size-Events, mit Ausnahme der Plus Size Fashion Days in Hamburg, die im Oktober stattfinden. Hier wird Frauen und Männern ein echter Mehrwert geboten, denn es werden Marken mit ins Boot geholt und die Vielfalt unter Plus‑Size‑Frauen wird betont. Hier treffen sich Plus‑Size‑Blogger und deren Follower, die wiederum viele Frauen erreichen. Plus-Size-Miss-Wahlen halte ich dagegen nicht für sehr repräsentativ, da ‘Schönheitsideale‘ im Vordergrund stehen, mit denen sich die durchschnittliche Plus‑Size‑Frau nur schlecht identifizieren kann. Auch bei großen Fashion Events, wie der Berlin Fashion Week, ist bei maximaler Größe 44 das Thema Plus Size meiner Meinung nach noch unterrepräsentiert.

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Tanja Marfo Plus-Size-Bloggerin

„Ich arbeite sehr stark daran, das Thema Vielfalt in den Fokus zu rücken. Auf der Berlin Fashion Week beispielsweise ist Plus Size fast gar nicht vertreten. Ich habe dort 2018 die Plus Size Lounge initiiert, es gab Panel Talks, die sehr gut angekommen sind. Aber auf den Laufstegen in Deutschland ist Plus Size fast gar nicht vertreten. Auf internationalen Laufstegen wird das Thema schon stärker aufgegriffen, nur in Deutschland hat sich dem lange niemand angenommen.

Also habe ich 2013 die Modenschau ‘Plus Size Fashion Days‘ ins Leben gerufen. Das ist bis heute das größte Modeevent für den Plus-Size-Markt in Europa. Denn über die Mustergrößen 42/44 hinaus zeigen bis heute nur wenige Designer ihre Mode. Wie soll sich da eine Frau, die Größe 60 trägt, vorstellen können, wie diese Sachen an ihr aussehen?“

„Über die Mustergrößen 42/44 hinaus zeigen bis heute nur wenige Designer ihre Mode. Wie soll sich da eine Frau, die Größe 60 trägt, vorstellen können, wie diese Sachen an ihr aussehen?”

„Es gibt nicht nur ‘dünne‘ und ‘Plus Size‘-Frauen, es gibt Frauen in allen Größen und Formen. Viele Frauen verstehen auch nicht, warum z. B. Größe 38 schon als Plus Size zählt, wenn die deutsche Durchschnittsfrau Größe 42/44 trägt. Nachdem das Event bisher ‘nur‘ auf Plus Size ausgerichtet war, will ich jetzt die Grenzen zwischen ‘normal‘ und ‘Plus Size‘ öffnen und die Vielfalt zeigen. Daher laufen dieses Jahr auch Models von Größe 36 bis 60.

Wenn ein Model in Größe 50 läuft und dies von so vielen Frauen wie möglich gesehen wird, ist die Botschaft laut und deutlich: ‘Das kann ich auch tragen‘.“

Auf welchen Gebieten im Plus-Size-Bereich besteht noch Aufholbedarf?

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Elisabeth Januszek Plus-Size-Bloggerin

„Im Handel gibt es noch Raum für Verbesserungen.“

„Ab Größe 42/44 ist das Angebot an Plus-Size-Mode meist wenig abwechslungsreich. Auch gibt es nicht genug Läden, in denen man spontan für einen Anlass shoppen kann. Im Online-Handel sieht es da aber schon besser aus. Seit ich vor sieben Jahren angefangen habe zu bloggen, hat sich hier viel getan, also der Markt hat sich positiv entwickelt. Es gibt deutlich mehr Online-Angebote. Zunächst hatte ich noch aus dem Ausland bestellt, jetzt ist das Angebot deutscher Onlinehändler schon besser. Was mir noch fehlt, ist, dass Nischen angesprochen werden, z. B. schicke Designerkleidung in großen Größen. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es solche Angebote bereits beispielsweise in den USA. Dort gibt es kleinere Shops, die sich auf diese Nische spezialisiert haben und damit auch Gewinn machen. Der Plus‑Size‑Markt ist durchaus lukrativ. Ich denke, wenn man in den Medien mehr Plus‑Size‑Frauen sehen würde, würden es Marken auch als geringeres Risiko einschätzen, schöne Plus‑Size‑Mode herzustellen, dann wäre auch mehr Auswahl im Handel erhältlich.“

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Tanja Marfo Plus-Size-Bloggerin

„Plus-Size-Blogger müssen sich professionalisieren.“

„Es findet momentan ein großes Umdenken statt, das Bild der ‘dicken Frau‘ hat sich geändert in den letzten Jahren, es ist aber weiterhin viel Aufklärungsarbeit nötig. Ich werde in Interviews oft gefragt, ob ich mit meiner Arbeit – Aufmerksamkeit für das Thema Plus Size zu schaffen – nicht einfach nur dicke Menschen glorifiziere. Darauf stelle ich die Gegenfrage, was das aktuelle Schönheitsideal mit uns Frauen gemacht hat.

Es muss viel mehr verständlich gemacht werden, dass es Körper in allen Größen, Farben und Formen gibt. Ich wünsche mir, dass in Zukunft mehr Firmen verstärkt unterschiedliche Konfektionsgrößen zeigen, denn obwohl viele zwar dafür bekannt sind, mit Plus-Size-Größen zu handeln, sind in deren Marketing größtenteils dünne Frauen zu sehen.

Auch Blogger müssen sich professionalisieren. Ich wünsche mir, dass z. B. mehr Blogger konkrete Angebote mit einer Auflistung ihrer Leistungen an Unternehmen schicken würden, denn nur so lassen sich auch angemessene Gagen erreichen.

Ich sehe da schon positive Veränderungen, nur wünsche ich mir, es würden noch mehr Blogger aus der Plus-Size-Szene nachziehen. Hier kann ich mir vorstellen, dass es helfen würde, wenn noch mehr Wissen geteilt wird, und auch, dass es Workshops dazu gibt. Denn wenn man das Bloggen professionell betreibt, regelmäßig eigene Texte schreibt, den Content im Voraus plant und strukturiert arbeitet, wird man auch ernst genommen. Und darum geht es mir.“

Fazit: Social Media bringt Body Positivity auf die Agenda
– Medien und Handel müssen mitziehen

Fazit: Social Media bringt Body Positivity auf die Agenda
– Medien und Handel müssen mitziehen

Social Media hat vielen starken Frauen in allen Kleidergrößen eine Plattform gegeben, auf der sie sich ausdrücken und andere Frauen erreichen können. Dadurch sind Vorbilder entstanden, die eine größere Vielfalt repräsentieren, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Frauen mit unterschiedlichen Figurtypen können sich mit ihnen identifizieren. Und das ist wichtig, denn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung entspricht Schönheitsidealen à la 90‑60‑90.

Auch der Einsatz von Plus‑Size‑Models und -Bloggern, das Thema in die sozialen Medien zu bringen, trägt zu positiven Veränderungen in der Modewelt bei. Es laufen heute deutlich mehr Plus‑Size‑Models auf internationalen Laufstegen als noch vor einigen Jahren. Aber der Weg ist noch weit: Ob beim Marketing von Modemarken, in der medialen Berichterstattung oder bei Events der Modebranche, noch sind Plus Size, Curvy und Co. noch stark unterrepräsentiert.

Die Entwicklungen zeigen jedoch: Aufgrund von größerer Präsenz auf Social Media sind junge Frauen heute zufriedener mit ihrem Aussehen und das Bewusstsein für mehr Diversität beim Thema Körper und Schönheit wird größer, und dank mutiger Vorbilder geht es immer weiter. Wir sind gespannt auf die kommende Vielfalt!

Unsere Expertinnen

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Elisabeth Januszek

Ich blogge seit 2012, um kurvigen Frauen zu zeigen, dass wir in der Mode viel weiter gehen können, als es sich andere vorstellen können. Sich gut zu fühlen und gut auszusehen ist für mich vollkommen Kleidergrößen-unabhängig. Ich möchte ein Umdenken anregen, für mehr Diversität!

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TANJA MARFO

Ich bin Tanja Marfo, Unternehmerin, Freigeist, Macherin und Influencerin. Mein Ziel ist es, unterschiedliche Konfektionsgrößen auf den Laufsteg zu bringen. Mit dieser Vision habe ich die Plus Size Fashion Days ins Leben gerufen und führe eine Modelagentur für Plus-Size-Männer und -Frauen.